Freitag, 8. September 2017

Das schönste Zimmer im Haus

Immer, wenn ich durch unser Esszimmer gehe, freue ich mich. Denn es ist das schönste Zimmer im Haus. Die Tapete ist nicht perfekt, denn ich habe das Zimmer höchst selbst und fast allein tapeziert. Aber sie hat ein lustiges grünes Muster und die kleinen Fehler fallen nicht so auf. Außerdem steht hier jetzt die neu lackierte Vitrine, die endlich den Weingläsern einen schicken Platz bietet, und in Esstisch, Stühle und Kommode habe ich mich im Möbelhaus Hals über Kopf verliebt und freue mich immer, wenn ich daran vorbeigehe. Es hallt hier immer noch ziemlich, ich brauche unbedingt noch ein Bild für die Wand über der Kommode und Gardinen - aber bitte welche, die nicht zu sehr den schönen Ausblick aufs Feld verdecken. Deckenleisten fehlen auch noch, aber egal.

Dann komme ich in die Küche und die ist auch das schönste Zimmer im Haus. Noch gar nicht fertig und kein bisschen so, wie ich sie mir ausgesucht hätte, aber doch irgendwie charmant. Das Herzstück ist eine Kücheninsel von IKEA. Die passt gar nicht zum Rest der Küche (Granit-Arbeitsplatten und so), aber egal, wir lassen das jetzt so. Dafür passt nämlich auch weder die Kücheninsel noch der Rest der Küche zu dem wuderbaren selbst gebauten Schrank, den meine Eltern früher in ihrer Küche stehen hatten. Und die beiden knallroten Sessel mit dem kleinen Tisch in der Mitte passen auch zu gar nichts, außer zum Wasserkocher und zur Pfeffermühle. Aber hier in der Küche steht die Teekanne und allein das ist ja schon ein gutes Argument für das schönste Zimmer im Haus. Außerdem scheint hier abends die Sonne rein und dann sieht der Raum wunderschön aus - die leicht pfirsichfarbene Tapete verstärkt nochmal den Effekt des Sonnenlichts. Ich werde hier noch ein bisschen mit roten Accessoires arbeiten und Teile des selbstgebauten Schranks rot lackieren und schon wird das alles total charmant zusammengewürfelt, aber doch irgendwie passend aussehen. Hoffentlich.

Das Schlafzimmer ist aber auch das schönste Zimmer im Haus. Es ist wirklich fast fertig - nur noch Deckenleisten fehlen, wie im Esszimmer. Aber ansonsten ist es fertig, es ist sogar das einzige Zimmer, für das wir schon in Gardinen investiert haben. Das Schlafzimmer hat eine wunderschöne mit lila Streifen tapezierte Wand. Davor steht das selbstgebaute Bett, natürlich mit lila Bettwäsche. Aus der Not geboren, weil es keine Birke mehr gab, haben wir unsere alten Pax und Malm Möbel mit ihren weißen Kumpanen gemischt, Türen abwechselnd angeschraubt und Schubladen in den Kommoden getauscht, sodass jetzt alles halb weiß und halb Birke ist. Das sieht viel besser aus als ich zu hoffen wagte und der schicke Spiegel über den Kommoden tut sein übriges. Das Zimmer wirkt total harmonisch und wenn eins aus einer Wohnzeitschrift sein könnte, dann wohl das Schlafzimmer - also bis auf die fehlenden Deckenleisten.

Das Gästezimmer ist übrigens auch das schönste Zimmer hier. Es ist das kleinste Zimmer im Haus und die Aussicht ist die Einfahrt. Aber hier steht ein petrolfarbenes Schlafsofa und außerdem alle Bücher. Es ist das Zimmer, das mich am meisten an unsere alte Wohnung erinnert, auch wenn eigentlich nur die Regale und deren Inhalt schon in der Wohnung standen. Seit ich mit einer Freundin den Couchtisch aufgemöbelt habe und er halb Holz/halb weiß ist, sieht er ein bisschen maritim aus. Es ist das Zimmer zum zu Hause fühlen.

Und das Wohnzimmer wird auf jeden Fall noch das schönste Zimmer im Haus. Es steht schon das größte Sofa drin, das ich je gesehen habe und fast alle hübschen Lampen, die ich gefunden habe, haben hier ihren Platz gefunden. Man hat hier einen wunderbaren Ausblick auf den Garten - fast über die ganze Breite des Raumes gehen die beiden Fenster - und wenn man auf dem Sofa sitzt, kann man durch die große Glastür ins Esszimmer und da durchs Fenster aufs Feld schauen. Die beiden kleinen Wandlampen machen tolles indirektes Licht und die graue Wandfarbe an den beiden schmalen Seiten war eine echt gute Entscheidung. Ansonsten ist das Wohnzimmer noch halb leer, weil es einfach riesig ist. Aber wenn es erst mal fertig ist, dann ist es das schönste Zimmer!

Gerade sitze ich auf dem Sofa, schaue aus dem Fenster in den Garten und dem strömenden Regen zu und freue mich, so viele schönste Zimmer im Haus zu haben. Und welches ist euer schönstes Zimmer?

Donnerstag, 24. August 2017

Glücklich sein

Ich war heute in meinem alten Viertel in der Stadt. Und bin beinahe in Tränen ausgebrochen, als ich da so durch die Straßen schlenderte, an unserer alten Wohnung vorbei. (Dann war ich auch noch im Bioladen um die Ecke und bin vor dem Chipsregal nochmal fast in Tränen ausgebrochen, weil sie meine Chipssorte aus dem Sortiment genommen haben. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Jedenfalls habe ich darüber nachgedacht, wie das alles so war, damals - als wir eingezogen sind und auch in den Jahren, in denen wir in der kleinen Stadtwohnung gewohnt haben, der Kerl und ich.

Als wir eingezogen sind, hatten wir ein richtig schlimmes Jahr hinter uns. Ein Jahr mit einer furchtbaren Wohnsituation, langem Pendeln zur Arbeit oder Uni und auch sonst war einfach alles nur schief gelaufen. Die kleine Stadtwohnung war unser erstes richtiges Zuhause, auch wenn wir vorher schon in einer anderen Wohnung zusammen gewohnt hatten.

Ich weiß nicht, wieso mir erst jetzt klar wird, wie einfach es war, in dieser Wohnung glücklich zu sein.

Das Haus hingegen hat da einen deutlich schwereren Stand. Wir wären auch gerne in der Stadt geblieben. Wir haben jetzt wieder weitere Arbeitswege als vorher. Und wir haben fünf Jahre wirklich glücklicher Erinnerungen in unserem ersten Zuhause zurücklassen müssen.

Wir haben in der kleinen Stadtwohnung gewohnt, als wir unsere ersten festen Jobs angenommen haben, als wir geheiratet haben und sind aus unseren Flitterwochen in die kleine Wohnung nach Hause gekommen.

Gerade wird mir langsam klar, wie sich die Ex-Besitzer unseres Hauses fühlen müssen, die 40 Jahre in dem Haus gelebt haben. Wenn ich daran denke, dass in MEINER kleinen Stadtwohnung jetzt jemand anders wohnt, wird mir manchmal ganz schlecht.

Was ich eigentlich sagen wollte ist aber: Offensichtlich ist es sehr viel einfacher, aus einem echt miesen Status Quo heraus ein neues Zuhause zu lieben, als erst mal fünf Jahre glückliche Erinnerungen in einem neuen Heim übertreffen zu müssen.

Dumm nur, dass mir die voll tiefsinnige Moral von der Geschichte gerade auch nicht so richtig weiterhilft. Denn erst mal fünf Jahre im neuen Haus wohnen, bevor ich mich wirklich zu Hause fühle, war jetzt nicht der Plan. Also ist das eigentlich nur sinnloses Herumdenken hier. Aber vielleicht hilft ja das Aufschreiben - man weiß es nicht. 

Und das ist alles so ironisch, weil das Jahr 2017 jetzt schon ein Jahr mit so vielen objektiv extrem guten Ereignissen war und es subjektiv einfach noch sehr sehr lange brauchen werde, bis dieser Effekt auch subjektiv bei mir ankommt.
  
Das mit dem glücklich sein übe ich jedenfalls jetzt noch ein bisschen, ne?

Philosophenlady out.

Montag, 7. August 2017

Heute so. #1

Der Tag heute startete wie so ein richtiger Montag. Am Wochenende nicht so viel geschlafen wie ich gewollt hätte, also verbrachte ich nach dem Weckerklingeln erst mal 20 Minuten debattierend mit mir selbst, ob ich jetzt aufstehe, ob ich duschen gehe und wieso es eigentlich so früh ist.

Am Ende hab ichs doch noch geschafft, das Bett zu verlassen und eine Tasse Tee zum Frühstück versöhnte mich dann zumindest halbwegs wieder mit dem Montagmorgen. Im Büro traf ich dann mein Team (bestehend aus Kollege 1) schon fest am Schreibtisch sitzend. Ungewöhnlich, normalerweise bin ich der frühe Vogel von uns beiden.

Die Geburtstag gehabt habende Kollegin war heute den ersten Tag wieder aus dem Urlaub da, also gab es Kuchen - immer gut. Dafür machen sie im Moment alle schlapp bei uns, letzte Woche zwei Kollegen krank, heute fiel die nächste aus. Ich hoffe, das Los der Sommergrippe zieht an mir vorbei.

Heute mal recht früh zu Hause, also noch Mülltonnen rausgestellt, schnell ein paar Einkäufe erledigt, Monster-Zucchini geerntet und Pasta mit Zucchini gekocht. Außerdem schon mal Curry für morgen vorbereitet, da ich morgen wohl spät zu Hause sein werde und dann leider keine Lust mehr habe, auch noch zu kochen. Dann lieber warm machen.

Kerl ist nicht da, ich kann also an seinem Computer mein Unwesen treiben. Seit mein Laptop den Geist aufgegeben hat, habe ich immer noch keinen neuen PC und warte jetzt geduldig, dass Kerl sich endlich einen neuen kauft, damit ich den alten kriege. Fast habe ich ihn soweit. Und dann habe ich endlich wieder einen vernünftigen Computer und muss nicht immer entweder am Handy tippen, den prähistorischen alten Laptop von Kerl den halben Abend hochfahren oder Zeiten abpassen, in denen Kerl seinen Computer nicht selbst besetzt.

Jetzt noch ein bisschen Netflix, Schokolade und hoffentlich früh ins Bett. Ach ja, und Gemüse gießen.

Und bei euch so?

Montag, 24. Juli 2017

Zwischen Glück und Wahnsinn

Ich weiß, ich habe schon wieder ewig nichts von mir hören lassen. Das liegt zum einen daran, dass ich im Moment einfach keinen vernünftigen Computer habe und bloggen auf dem Handy oder Tablet nicht so richtig mein Ding ist. Und zum anderen daran, dass mein Leben gerade einfach völlig an mir vorbeirauscht.

In gewisser Weise bin ich das ja gewohnt - das Leben rauscht irgendwie immer an einem vorbei. Aber in dem Maße wie jetzt habe ich das vorher noch nie erlebt. Neues Haus und neuer Job war rückblickend definitiv eine lebensverändernde Maßnahme zu viel, auch wenn es beides gute Veränderungen waren. Nach fast drei Monaten Haus und fast zwei Monaten neuer Job arbeite ich immer noch händeringend daran, irgendeinen Rhythmus zu finden und es funktioniert einfach nicht richtig, weil zu viel neu ist.

Jeden Tag schlage ich wann anders bei der Arbeit auf, was dank flexibler Arbeitszeiten gar kein Problem ist, aber ich schaffe schon morgens keinen vernünftigen Rhythmus. Immer fällt mir noch was ein, das ich im Haus tun muss oder vielleicht gehe ich einkaufen - vor der Arbeit - weil ich meine Einkäufe überhaupt nicht vernünftig geplant kriege im Moment und dauernd die Hälfte vergesse.

Die Hausarbeit nimmt plötzlich einen größeren Teil meiner Zeit ein als vorher, was ja zu erwarten war. Was allersdings nicht zu erwarten war: auch wenn theoretisch nichts zu tun ist, räume ich dauernd irgendwas auf oder um oder suche mir irgendwelche Arbeiten, die mir gerade total notwendig erscheinen und ich weiß auch nicht, woher das auf einmal kommt. Entspannen habe ich also nun auch völlig verlernt (das wiederum war eigentlich absehbar).

Ich weiß oft nicht so recht, wo mir der Kopf steht und irgendwas bleibt ständig auf der Strecke: das Haus, der Garten, der Mann, die Familie oder ich. Meine sozialen Kontakte liegen gefühlt sowieso völlig brach. Ich habe oft das Gefühl, ich müsste mich eigentlich vierteilen, um allen aktuellen Ansprüchen irgendwie gerecht zu werden und das Ganze hat mich schon mehr als einmal glatt zur Verzweiflung getrieben, viel Schweiß, Nerven und Tränen gekostet.

Und dann sitze ich manchmal abends auf der Terrasse mit einem kühlen Getränk und Ausblick ins Grüne und denke, wie schön ich es doch habe. Manchmal biege ich in unsere neue Straße ein, sehe das Haus und denke, was für ein Glück wir doch hatten.

Diese Anfangsphase, dieser Neubeginn geradezu, ist ganz anders und viel nervenaufreibender, als ich mir das vorgestellt habe. Ich finde es manchmal geradezu unglaublich, wie viel Ballast solche eigentlich total positiven Veränderungen doch mit sich ziehen können.

Ich bin wahnsinnig froh, wenn hier endlich mal wieder etwas Ruhe einkehrt und sowas wie Alltag entsteht.

Donnerstag, 20. Juli 2017

[08.07.2017, Wise Guys Abschiedskonzert, Tanzbrunnen Köln]: Hab dich schon lang nicht mehr so glücklich gesehen

Normalerweise verfasse ich Konzertberichte ja gerne möglichst bald nach dem Konzert, damit ich beim Aufschreiben möglichst wenig vergesse. Diesmal war's ein bisschen anders, dieses Konzerterlebnis musste ich tatsächlich erst ein bisschen verarbeiten. Die Band, über die ich heute schreibe, ist inzwischen Geschichte. Die Wise Guys haben inzwischen ihr letztes Konzert gegeben - das wars.

Das macht mich auch zwei Wochen nach dem Konzert noch ziemlich traurig und das ist ehrlich gesagt nichts, was ich in der Form erwartet hätte. Die Wise Guys haben mich eine ganze Weile musikalisch begleitet und auch wenn sie schon seit 2009 kein Teil meines regelmäßig gehörten Musik-Repertoires sind, sind sie glaube ich bis heute die Band, die ich am zweithäufigsten live gesehen habe. Als letztes Jahr das Ende bekanntgegeben wurde, habe ich mir eine Karte fürs Abschiedskonzert gekauft. Mehr um der alten Zeiten willen. Um mich von einer Band gebührend zu verabschieden, die lange ein Teil meines Lebens war und schon lange keiner mehr ist. Um mir nicht die letzte Möglichkeit zu verbauen, eine alte Liebe doch nochmal wieder zu sehen.

Von dem Moment an, in dem ich die Karte gekauft habe, bis zum Konzert, habe ich glaube ich keinen einzigen Ton Musik von den Wise Guys gehört - so gesehen bin ich also völlig unvorbereitet zum Konzert. Und dann auch noch mit einer völlig untypischen Konzertbegleitung, nämlich meiner Mama, der ich die Karte geschenkt hatte.

Der Tanzbrunnen

Der Tanzbrunnen ist wirklich eine tolle Outdoor-Location. Es passen relativ viele Leute rein, trotzdem ist es irgendwie gemütlich, überall ist Rasenfläche, es ist immer irgendwie Festival-Feeling. Und dann hatten wir auch noch verdammtes Glück mit dem Wetter - oder Pech, wie man es nimmt. Bei 30 Grad und Sonne haben wir uns jedenfalls unseren Platz in der Menge gesucht und der Dinge geharrt, die da kommen mögen.

Die Wise Guys 

Lange mussten wir nicht waren, pünktlich betraten die Herren Wise Guys die Bühne. Und taten - im wahrscheinlich besten Interesse von allen - erst einmal eineinhalb Stunden so, als wäre das überhaupt kein Abschiedskonzert.

So haben wir ein buntes Programm gehört aus alten Hits und neuen Songs, von denen ich durchaus einige auch schon gar nicht mehr kannte, weil ich die letzten beiden Alben komplett verpasst und mir wie eingangs erwähnt auch als kleine Vorbereitung dann nicht mehr angehört habe.

Besonders gefreut habe ich mich über Ruf doch mal an, Wo der Pfeffer wächst und Powerfrau. Die Existenz des letzeren hatte ich beinahe schon völlig vergessen, aber es ist doch manchmal verblüffend, wie viel Text im "Ernstfall" dann doch noch in irgendeiner Schublade des Gehirns zu finden ist.

Ganz toll fand ich auch den kleinen Balladenvergleich im ersten Block. Eine Ballade aus den 90ern (Wie kann es sein) und eine ziemlich neue, die ich schon gar nicht mehr kannte (Ein Engel), aber in die ich mich sofort verliebt habe.

Als extrem sympathisch präsentiert hat sich gleich mal der neue Bass Björn, den ich ja noch gar nicht kannte, weil er erst seit letztem Jahr dabei ist. Nicht nur gabs eine nette Vorstellung der Noch-Bandkollegen, einen eigenen Song hat er mit Kleine Männer auch, und der war wirklich genau mein Ding und sehr wise guys.

Oh und fast vergessen - der Ohrwurm war auch gleich im ersten Block dabei und ist immer noch ein Highlight. Nicht, weil der Song so phantastisch wäre, sondern weil er aus völlig unerfindlichen Gründen der totale Publikumsliebling ist.

Die Gäste

Für das Abschiedskonzert (genauer gesagt die, am 09.07. gab es noch ein zweites Konzert im Tanzbrunnen) hatten sich die Wise Guys ein paar Gäste eingeladen. Ich hatte mit Gästen gerechnet, mir sogar ganz arge Hoffnungen auf ganz bestimmte Gäste gemacht (dazu später mehr), aber nicht mit dieser Art von Gästen: nämlich Musiker, die irgendwie näher mit den Wise Guys zu tun haben.

Das fing an mit Bodo Wartke. Ich kenne Bodo Wartke, mehr vom Namen her als tatsächlich über seine Musik. Ich weiß auch, dass ihn ganz viele ganz toll finden wegen seiner Texte. So richtig mit ihm befasst hatte ich mich trotzdem nie. Jetzt blieb mir aber nichts anderes mehr übrig, wo er nun schon mal da stand, und ich glaube nicht, dass ich das bereuen werde.

Das Konzept mit den Gästen war das Folgende: ein Song des Gastes wurde zusammen mit den Wise Guys gesungen, für den zweiten hatte der Gast die Bühne für sich alleine. Mit Bodo Wartke war das zusammen mit den Wise Guys der Song Monika. Und dann alleine (und mit Flügel) ein ganz neuer Song namens Nicht in meinem Namen. Ein Lied über Religion, was, wie er schon selbst sagte, generell erst mal schwierig ist. Und dann kommt da so ein bewegender Song. Einer mit so viel Wahrheit auf so vielen Ebenen, dass einem ganz schlecht werden kann, wenn man anfängt, darüber nachzudenken. Ein Song, der durch Mark und Bein geht und der einen völlig ratlos zurücklässt. Der einen ganzen Tanzbrunnen mucksmäuschenstill verharren lässt und bei dem einem ganzen Tanzbrunnen erst nach einigen Sekunden völliger Stille wieder einfällt, dass man nach einer musikalischen Darbietung normalerweise klatscht. Ein Song von solcher Wortgewalt und Wichtigkeit, wie ich ihn schon länger nicht mehr gehört habe - auch wenn ich da sicherlich durchaus Kritik am Text üben könnte, ein solches Thema kann man eben nicht sensibel genug behandeln. Ich möchte aber behaupten, das ist eigentlich das bestmögliche Ergebnis, das man im Rahmen eines 5-Minuten-Songs überhaupt erzielen kann. Und vielleicht muss ich mich halt doch mal eingehender mit dem Herrn Wartke befassen.

An dieser Stelle möchte ich nicht die Geschichte verschweigen, wie Bodo Wartke die Wise Guys kennengelernt hat, denn vielleicht gibt es keine guten Gelegenheiten mehr, sie zu erzählen. Bodo Wartke hat die Wise Guys bei einem Konzert in eben jenem Tanzbrunnen in Köln zum ersten Mal gehört. Und zwar nicht, weil er eine Konzertkarte gekauft hatte, sondern weil er draußen am Rhein entlang spazieren ging, während die Wise Guys eines ihrer jährlichen Tanzbrunnenkonzerte spielten. Er kannte die Wise Guys vorher gar nicht, fand einfach die Musik cool. Und weil er Glück hatte und erst bei den Zugaben vorbeikam, hat ihn ein netter Mensch am Eingang auch ohne Karte für die letzten paar Lieder reingelassen. Was für eine gute Geschichte.

Die anderen beiden Gäste waren die Bläck Fööss und die Höhner - zwei Kölner Bands, da liegt die Verbindung zu den Wise Guys, die ja ebenfalls eine Kölner Band sind und bekanntermaßen Karnevalsfans, schon eher auf der Hand. Von den Black Fööss feat. Wise Guys haben wir Rollbrett gehört, die Bläck Fööss alleine haben dann noch Unsere Stammbaum gesungen. Mit den Höhnern gab es auf jeden Fall die FC-Hymne zu hören (die Wise Guys sind ja auch bekanntermaßen FC Fans), an den zweiten Song erinnere ich mich gerade spontan tatsächlich nicht mehr.

Noch viel mehr Wise Guys

Nach den Gästen und einer Pause ging es weiter mit den Wise Guys. Meine Mama hatte uns während ich Essen holen war einen absolut astreinen Platz ganz weit vorn mit bester Aussicht gesichert (die nehm ich nochmal mit!) und endlich näherten wir uns dem Moment, auf den ich schon den ganzen Abend hingefiebert hatte. Naja, okay - erst mal kam noch Aggro Hürth, eine kleine "Band in der Band" bestehend aus Sari und Nils, die den Gangsterrap für sich entdeckt hat. Und zwar mit Hamlet, einem Lied das ich schwer liebe, und Nur für dich - einem Lied, das ich noch viel mehr liebte, aber in dieser Version noch gar nicht kannte. Eigentlich wurde das nämlich mal von meinem liebsten Wise Guy gesungen, von Clemens. Clemens hat 2008 die Band verlassen, bei seinem Abschiedskonzert war ich damals auch schon dabei. Und Nur für dich war immer eines meiner liebsten Wise Guys Lieder, ohne Clemens aber natürlich live in der ursprünglichen Form völlig undenkbar, allein schon der grandiosen Bühnenperformance wegen. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass Aggro Hürth den Song ein bisschen umgedichtet und ihm neues, aggressives Leben eingehaucht hat. Auch wenn ich ihn nur noch ein einziges Mal hören konnte.

Ein oder zwei Songs später dann endlich - ENDLICH - der Moment, auf den ich den ganzen Abend - nein, ich möchte fast sagen: seit 2008 - gewartet habe. Zwei ehemalige Mitglieder der Wise Guys waren zum Abschiedskonzert noch einmal dabei. Christoph Tettinger, der schon in den frühen 90ern ausgestiegen ist und den die meisten schon nicht mehr kannten, und - ihr ahnt es schon: Clemens!!

Ich hatte seit ich die Konzertkarte gekauft hatte darauf spekuliert, gehofft dass Clemens da sein würde - er muss einfach da sein, habe ich mir gedacht. Ich habe nicht nur richtig spekuliert, es hat sich auch noch komplett gelohnt. Zuerst haben sie zusammen - sozusagen in Stamm-Besetzung -  Mein kleiner grüner Kaktus gesungen. Und dann noch mit Clemens Mädchen lach doch mal.

Dazu muss man wissen: Mädchen lach doch mal war immer mein absoluter Lieblingssong von den Wise Guys. Wegen Clemens und wegen dem Song. Und man hätte mich nicht glücklicher machen können als Clemens einzuladen und mit ihm Mädchen lach doch mal zu singen. Daher rührt auch der Titel des heutigen Blogposts. Und zwar nicht, weil ich so glücklich darüber war, dass Clemens da war und meinen Lieblingssong gesungen hat, sondern weil ich tatsächlich seit einer ganzen Weile - möglicherweise auch noch nie - jemanden so glücklich gesehen habe wie Clemens da oben auf der Bühne wirkte. Es mag Show gewesen sein, aber ich bilde mir ein gesehen zu haben, dass er es vermisst hat, genauso wie ich ihn vermisst hab. Denn als er da oben so stand ist mir erst mal aufgefallen, wie wahnsinnig mir Clemens und sein Lachen und seine Stimme gefehlt haben in den letzten achteinhalb Jahren. Das klingt jetzt glaube ich alles ein bisschen gemein gegenüber den anderen Wise Guys und auch den neuen Mitgliedern - so ist das gar nicht gemeint, ich finde euch alle wirklich super - aber Clemens hat irgendwie einen besonderen Platz in meinem Herzen. Und auch schon eine für mich so besondere Stimme, dass ich wahnsinnig glücklich und dankbar bin, sie noch ein allerletztes Mal live gehört zu haben.

Nach dem Besuch von Clemens und Christoph folgten dann fünf Songs, jeder davon stand für fünf Jahre Wise Guys. Das waren Tekkno, Jetzt ist Sommer, Romanze, Deutsche Bahn und als letztes Wir werden euch vermissen. Wieder ein Song, der so neu war, dass ich ihn noch nicht kannte und extra als Abschiedslied geschrieben, daher auch das letzte Lied im regulären Set. Und ein sehr emotionaler Moment, denn natürlich haben alle mitgesungen und die ganze Abschiedsstimmung schlug dann jetzt doch voll durch.

Und als die Wise Guys dann für ein paar letzte Zugaben nochmal auf die Bühne kamen, hatten sie alle noch immer Tränen in den Augen - das hats dem Publikum auch nicht gerade leichter gemacht.

Im letzten Zugabenblock dann noch Radio - ebenfalls einer meiner All-Time-Favorites - und Sing mal wieder - essentieller Bestandteil eines jeden anständigen Wise Guys Konzerts. Als allerletzter Song des Abends dann (sehr gut ausgewählt) Jetzt und hier. Und schon waren dreieinhalb Stunden rum und alles vorbei. Im wahrsten Sinne des Wortes.

tl;dr

Ich bin wahnsinnig froh, dass ich mir dieses Konzert nicht habe entgehen lassen. Noch auf dem Hinweg habe ich gedacht, dass ich das eigentlich gar nicht brauche, dieses Abschiedskonzert. Dass ich mich eigentlich schon vor Jahren von den Wise Guys verabschiedet habe. Und dann hat mich dieses Konzert daran erinnert, warum ich diese Band so mochte, warum ich sie eigentlich immer noch genauso sehr mag wie schon immer. Und es hat mir die Gelegenheit gegeben, mich vernünftig zu verabschieden von einer Band, die ich nie vergessen werde.

Mittwoch, 14. Juni 2017

Von der anderen Seite

Seit ich (wieder) in der Kleinstadt wohne, ist es in der großen Stadt - vor allem um meine dortige ehemalige Wohngegend herum - plötzlich ziemlich komisch. Fünf Jahre habe ich in der Stadt gewohnt, habe es geliebt, habe mich durch gefühlt alle Restaurants getestet und kenne auch die nicht touristischen Ecken. Bin in Parks gewesen, beim Frisör und jeden Tag ein Stück durch die Stadt zur Arbeit gelaufen.

Ich laufe auch jetzt noch jeden Tag ein Stück durch die Stadt zur Arbeit, nur muss ich dafür erst mal IN die Stadt fahren. Und obwohl ich erst seit sechs Wochen nicht mehr in der Stadt wohne, kann ich fast selbst nicht glauben, wie sehr dieser Umzug meine eigene Perspektive verändert hat.

Mir fällt jetzt - ich glaube zum ersten Mal überhaupt - auf, wie laut und hektisch die Stadt eigentlich ist. Überall Menschen, Fahrräder, Autos, Busse, Bahnen und Lärm. Alle haben es eilig. Kaum zu glauben, dass ich das vorher nie so richtig gesehen habe. Als ich damals in die Stadt gezogen bin, war sie neu und spannend und endlich mal ein Ort, an dem auch was los ist. Und es ist auch gar nicht so, als wüsste ich das nicht immer noch sehr zu schätzen. Aber auf dem Land ist es doch erheblich leiser. Und das weiß ich im Moment auch durchaus zu schätzen. Das ist vermutlich ein untrügliches Zeichen, dass ich alt werde, oder?

Wenn ich aber durch meine alte Wohngegend laufe, ist doch auch ein sehr großes weinendes Auge dabei, denn ich habe an das Viertel doch mein Herz verloren und werde mich glaube ich immer wieder freuen, da zu sein.

Jedenfalls sieht die Stadt von der anderen Seite plötzlich ziemlich anders aus.

Sonntag, 11. Juni 2017

Im Garten wühlen

Ich habe endlich angefangen, ein bisschen im Garten zu wühlen. Eigentlich wollte ich ja dieses Jahr gar nicht mehr so viel im Garten machen, weil im Haus eigentlich genug zu tun wäre, aber im Garten wühlen macht im Sonner einfach viel mehr Spaß als im dunklen Haus irgendwelche Acrylfugen zu machen.

Also habe ich ein paar neue Blumen gekauft und in das bereits existierende Beet gepflanzt (und vorher stundenlang das dämliche Heidekraut rausgerissen (dafür bräuchte man auch eher einen Bagger). Und endlich mal ein bisschen Unkraut gejätet. Die lokale Fauna drohte schon, die Wege im Garten vollends zu übernehmen. Im großen Beet hat der Kerl netterweise angefangen, den hässlichen Bodendecker mit einem Spaten des Platzes zu verweisen. Bereits angelegter Garten ist zwar super, aber Pflanzen entfernen, die schon seit Jahr und Tag da sind und jahrelang Wurzeln gebildet haben, ist dann auch gar nicht mehr so lustig.

Einen Teil des Beets habe ich jetzt schon umgegraben, der Rest folgt noch. Und dann haben wir etwa ein Drittel des großen Beets freigelegt und der Rest ist noch immer von dem Bodendecker belegt, yay.

Wenigstens habe ich im umgegrabenen Teil jetzt schon zwei Zucchinipflanzen stehen, die wir zur Einweihung bekamen <3 Die machen hier zwar gerade nach Transport und Umpflanzen nen ziemlichen Abknicker, aber ich hoffe, die erholen sich wieder.

Schon vor ein paar Wochen haben wir außerdem den Kräutergarten angelegt. Das musste sein - wenn schon nicht so viel Gemüsegarten, dann wollte ich doch wenigstens frische Kräuter aus dem Garten.





Ansonsten stehen schon wilde Pläne für Obstbäume, Hängematten, Trampoline und Hollywood-Schaukeln.

Garten ist super.

Sonntag, 28. Mai 2017

[27.5.17, Más Shake, Blue Shell Köln]: Ist es wärmer geworden oder spinn ich?

Mein (wieder) erstes Konzert mit Anreise aus der Kleinstadt und es ist Más Shake (und daher eh schon Liebe). Mal wieder geht es ins Blue Shell in Köln, eine Location, die ich wirklich gerne mag. Klein und kuschelig, auch von außerhalb sehr gut zu erreichen und zugegeben ein bisschen ungünstig am bisher heißesten Tag in Köln, aber dazu später mehr.
Die Vorband
Bei der Vorband muss man das "Band" heute in Anführungszeichen schreiben, denn es handelt sich um das Vinylcafé aus Lüneburg. Das Konzept: Songs von alten Vinylplatten spielen und ein paar Geschichten dazu erzählen. Der Bildungsauftrag heute: Songs aus den 60ern und 70ern. Mal was ganz anderes als sonstige Vorbands, aber warum eigentlich nicht? Die Songs sind jedenfalls gut ausgewählt.
Más Shake schleicht sich schon wieder in mein Herz, als Katy der Vorband nach ihrem Set selbstverständlich beim Abbau hilft.
Más Shake
Meine Liebe zu dieser Band ist ungebrochen - Konzerte von Más Shake sind immer laut, verschwitzt, tanzbar und traumhaft. So auch heute.
Wir hören ungefähr alles, was die Band bisher irgendwie aufgenommen hat und zwar mit neuem Bassisten. Der kommt aus Argentinien, spricht größtenteils englisch, bringt das Publikum ein wenig gegen sich auf, weil er Becks statt Kölsch trinkt, ist ansonsten wunderbar sympathisch und wäre die Bühne größer, hätten wir vermutlich die ein oder andere ausladende Tanzeinlage von ihm gesehen.
Unser Abend hat ein paar kleinere technische Pannen, vor allem am Schlagzeug (und der arme Tomas hat heute kein Mikro und kann niemandem in die Ansagen quatschen, sowas aber auch) und der ständigen technischen Panne des Blue Shell: die Klimaanlage. Solange niemand Musik spielt und sich nicht mehr als 20 Leute im Raum aufhalten, funktioniert die einwandfrei, aber nach Beginn eines Konzerts spürt man grundsätzlich gar nichts mehr davon. Am bisher heißesten Tag in Köln kommt diese spezielle Eigenschaft des Blue Shell natürlich weniger gut an - es ist unsagbar heiß. Und zwar schon bevor Más Shake überhaupt angefangen haben. Und trotzdem ist Rods erste Frage nach dem ungefähr dritten Song "Ist es wärmer geworden oder spinn ich?", gefolgt von einer Diskussion über die Existenz oder Nicht-Existenz der Klimaanlage.
Trotzdem lässt sich das Publikum nicht vom Tanzen abhalten - im Ergebnis ist es dadurch natürlich noch wärmer, aber ach egal, es ist ganz zauberhaft.
Schnell stellt sich auch heraus, dass wir die Pausen beim Instrumentenwechsel oder überhaupt jegliche Stille auf der Bühne doch bitte mit tosendem Applaus überbrücken sollten. Und tatsächlich habe ich noch nie eine so kleine Menschenmenge so laut gehört wie an diesem gesamten Abend im Blue Shell.
Meine Konzertbegleitung Pia und ich stellen schnell fest, dass wir auch allein für Demolicion gekommen wären, dem letzten Song vor der Zugabe. Einer meiner liebsten Live-Songs ever mit einer einfach besonderen Energie. Nach etwa 1,5 Stunden verabschiedet uns die Band in die Nacht, Rods "Kommt gut nach Hause" ist der letzte Satz eines ganz und gar zauberhaften Abends.
An dieser Stelle will ich ja gar nicht verschweigen, dass ich auf Más Shake nur durch meine Liebe zu den Die Ärzte aufmerksam geworden bin und dass Más Shake Konzerte damit auch immer Abende der Erinnerung für mich sind. Abende, an denen ich an vergangene Konzerte von Die Ärzte und Más Shake denke und an all die Bekanntschaften und Freundschaften, die sich daraus ergeben haben - von denen in der Regel auch ein paar anwesend sind. Abende, an denen das Publikum sehr nah dran ist an einem Rodrigo González und an denen man minutenlang einfach nur das Gitarrenspiel beobachten, die völlig schief sitzende Krawatte bewundern oder das Glitzern in den Augen live und in Farbe von ganz nah dran sehen kann. Aber es sind auch Abende, an denen man Rod mal Ansagen machen hört - was ja neben dem dynamischen Duo Farin Urlaub und Bela B. wirklich nicht so oft vorkommt - und an denen man gleichzeitig ein ganz kleines bisschen traurig werden kann, dass die drei als Die Ärzte schon so lange untergetaucht sind. Das alles schmälert aber nicht das tolle Konzerterlebnis, sondern macht es ganz im Gegenteil nur noch viel schöner. Und wenn die Nachdenkerei zu viel wird, kann man sich immer noch einfach die Seele aus dem Leib tanzen (und anschließend schweißgebadet aus dem Blue Shell taumeln).
tl;dr
Es war mal wieder ein ganz wunderbarer Konzertabend. Zu Más Shake würde ich immer wieder gehen - zum tanzen, zum in Erinnerungen schwelgen oder einfach nur, um eine der sympatischsten Bands zu erleben, die ich kenne.

Mittwoch, 24. Mai 2017

Draußen sein

Ich muss mal kurz mein Gartenglück teilen. Ich habe jetzt über fünf Jahre in der großen Stadt gewohnt und hatte keinen Garten und keinen Balkon - genau genommen noch nicht mal ein richtig großes Fenster.

Am Anfang fand ich es nicht so schlimm, aber mit jedem Sommer wurde das Gefühl schlimmer, keine Möglichkeit zum draußen sein zu haben. Klar, es gibt Parks und Eiscafés und jede Menge Möglichkeiten für Outdoor-Aktivitäten in der Stadt, aber Sonntagmorgen im Schlafi im Eiscafé frühstücken ist halt doch nicht so ideal.

Das allergrößte Glück nach fünf Jahren Stadtwohnung ist also schon allein die Existenz eines Gartens.

Und weil wir nicht in einem Neubau wohnen, sondern ein schon länger stehendes Haus gekauft haben, haben wir noch viel mehr Glück. Denn zum einen haben wir nicht nur den Garten, sondern auch noch einen Balkon, auf den morgens die Sonne scheint und den man direkt aus dem Schlafzimmer betreten kann. Und zum anderen besteht der Garten nicht wie in vielen Neubaugebieten noch für ein paar Jahre bloß aus Ackerland, sondern ist schon komplett angelegt - mit Hecke, Rasenfläche, Gartenhaus und Regentonnen. Eine Art halb offenen Wintergarten auf der Terrasse haben wir auch, sodass man bei Regen nicht mal nass wird, wenn man doch auf der Terrasse abhängen will.

Und pünktlich zum guten Wetter ist das Haus gerade so weit, dass man die Restarbeiten (Acrylfugen, Fußleisten, Deckenleisten, einige Möbel abschleifen, letzte Kartons ausräumen, Kücheninsel bauen) einfach mal ignorieren und Zeit draußen verbringen kann.

Abends auf der Terrasse sitzen und lesen, immer nur draußen essen, einfach mal die Sonne ins Gesicht scheinen lassen, den Vögeln beim Zwitschern zuhören und mittags um halb 1 die schlaflose Fledermaus kennenlernen, die unterm Dach neben dem Balkon wohnt.

Ich wusste nicht, wie sehr ich das vermisst habe.

Montag, 22. Mai 2017

So ein Müll

Was ich völlig unterschätzt habe in der Hausbesitzerthematik: die Sache mit dem Müll.

Hier ist ja Dorf und somit vorbildliche Mülltrennung angesagt mit Papiertonne, Biotonne, gelber Tonne und Restmülltonne. So weit so gut. Müll trennen kann ich.

Aber dann gibt es ja plötzlich so Dinge wie Müllgebühren, die man bezahlen muss und damit man sich nicht dumm und dusselig bezahlt, muss man erst mal wissen, wofür die überhaupt anfallen und welche Tonnen man so oft abholen lassen darf wie man möchte und welche Art von Müll man besser sparsam produziert.

Und wann die Tonnen abgeholt werden. Ich dachte schon, wir würden in Nullkommanix in Müllbergen untergehen, weil keiner von uns in der Lage ist daran zu denken, irgendwann mal eine Mülltonne vors Haus zu stellen. Aber - danke, moderne Welt - der örtliche Entsorger hat eine App, die einen zur gewünschten Zeit an jede bevorstehende Leerung erinnert.

Dann haben wir ja noch die ganze Garage voller Müll, hauptsächlich Pappe, denn wirklich alles (Möbel vor allem) war in einem riesigen Berg Pappe verpackt. Also galt es zu recherchieren, welche Art von Müll zum örtlichen Wertstoffhof gebracht werden darf, welche Arten von Müll kostenpflichtig sind etc.

Seit zwei Wochen wohnen wir jetzt hier und ich habe mich schon mehr mit Müll beschäftigt als im meinem gesamten vorherigen Leben zusammengenommen. Den Link der städtischen Website zur Müllentsorgung kenne ich bald auswendig.

Sowas sagt einem ja auch keiner, wenn man ein Haus kauft.